SUSANNE WENGER ARCHIV
Die weltbekannte Künstlerin und Yoruba-Priesterin Susanne Wenger ist am 12.01.2009 im 94. Lebensjahr in ihrer Wahlheimat Oshogbo / Nigeria verstorben.
Susanne Wenger, 1915 in Graz geboren, war 1947 Mitbegründerin des Wiener Art-Clubs. Sechzig Jahre Kunst und Leben in Afrika machten sie zu einer weltweit anerkannten Künstlerpersönlichkeit. Trotz der vielen TV-Berichte und Filme und der zahlreichen Großberichte internationaler Buntdruck-Journale über Susanne Wenger ( 4.7.1915 -12.1.2009) – „der weißen Göttin an einem Fluss im tiefsten Afrika“ – ist sie vor allem eine der wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen Österreichs nach 1945 gewesen. Durch ihr exponierte Außenseiterposition wurde der Blick auf ihr künstlerisches Werk gelegentlich von exotischen, esoterischen „Sensationsberichten“ überlagert.

Susanne Wenger on the banks of the River Oshun
Oshun Groves Oshogbo Nigeria1987
Der „Heilige Hain von Oshogbo“ (Oshun Groves of Oshogbo), das architektonische und skulpturale Hauptwerk Susanne Wengers, ist seit 2007 UNESCO Weltkulturerbe: riesige Zementskulpturen, architektonisch und künstlerisch kühne Kult-Schreine, Meditationshäuser und kilometerlange, figural gestaltete Mauern, die sie zusammen mit der Yoruba-Künstler-, Handwerker- und Priester- Gruppe „New Sacred Art“ errichtete, bilden ein monumentales und eindrucksvolles Ensemble der modernen Kunst. Im Regenwald am Oshun River, mitten in der 500.000 Einwohner-Stadt Oshogbo, bewahrte die große österreichische Künstlerin eines der wichtigsten spirtuellen Zentren der Yorubakultur vor dem Untergang und rettete mit ihrer Kunst die Regenwald-Baumriesen eines der letzen großen Natur-Sanktuarien weltweit.

Susanne Wenger Skulptur und Schrein Iya Moopo 1967
Assistent Adebisi Akanji - Ebu Iya Moopo Oshun Groves Oshogbo
Susanne Wenger war 1947 aktives Gründungsmitglied des österreichischen Art Clubs. In den Wiener Bombennächten der Jahre 1943/44 schuf sie als erste österreichische Künstlerin surrealistische Zeichnungen, die auf die junge Wiener Künstlergeneration nach 1945 (Fuchs, Brauer, Lehmden, Bertoni, etc.) großen Einfluss ausübten. Ihre Auflehnung gegen den Nazi-Terror wurde in der Ausstellung der Grazer Neuen Galerie „Moderne in dunkler Zeit“ 2001 ausführlich dargestellt. 1949 traf sie, nach kurzem Aufenthalt in Paris, wo sie den berühmten Sprachforscher Ulli Beier heiratete, in West-Afrika ein. Fast sechzig Jahre lebte und arbeitete sie in Afrika, seit 1960 in Oshogbo, Nigeria. Dort beschäftigte sie sich intensiv mit der Yoruba-Poesie, Mythologie und Religion und erlebte ihre Initiation in der Priesterklasse, ohne ihre Existenz als moderne Künstlerin zurückzunehmen. Sie war auch intensiv in die Unabhängigkeitsbewegung der Yoruba involviert.

Susanne Wenger 2005 Oshogbo -
Foto: Archiv Cibulka-Frey
In Wengers Kunst vereinen sich „große Mythen aller Zeiten zu einem Epos von Schöpfung, Tod, Opfer und Wiedergeburt“. Das multicoloristische Medium der „textile cloth paintings“, die von ihr seit 1970 zunehmend weiterentwickelte Technik des spontanen Flusses, ist technisch gesehen eine Mischung aus Batik, Textilmalerei und Indigofärberei. Diese riesigen „Batiken“ bringen den ganzen philosophisch-künstlerischen Kosmos der Künstlerin zum Ausdruck. Die klare transzendente Bildsprache dieser Werke ist im universellen Sinne religiös motiviert, jedoch spontan und frei im Sinne eines universellen Kunstverständnisses. Die thematische Spannbreite von Wengers Ölbildern läßt die Tradition der europäischen Moderne erkennen. Sie verarbeitet Themen aus der Menschheitsgeschichte, der Bibel, der Weltliteratur und Themen aus dem Yoruba-Kulturkreis. In den letzten Jahren ihres Lebens entstanden Zeichnungen und „osmotische“ Bücher. Susanne Wenger schrieb Bewusstseinszustände und Bekenntnisse in die Zeichnungen dieser Stunden-Bücher ein.

Durch die großen Art-Club Ausstellungen war Wenger bereits eine bekannte Künstlerin, als sie in Afrika eintraf. Nach 1954 stellte sie in Paris, London, Frankfurt, Zürich und Breda aus. Ab 1960 widmete sich Wenger dem Wiederaufbau der verfallenen Ritualplätze der Yoruba und stellte ihre Ausstellungsaktivitäten für fünfundzwanzig Jahre ein. Erst ab 1985 kam es, betreut von Kurator und Künstlerkollegen Wolfgang Denk, wieder zu großen monographischen Ausstellungen in Europa (Künstlerhaus Wien, Stadtmuseum Graz, Museum Moderne Kunst Prag, Iwalewa-Haus in Bayreuth 1993, Kunsthalle Krems 1995 und andere). Susanne Wenger nahm an der Wanderausstellung „The Short Century – Independence and Liberation movements in Africa 1945-1994“ (Okwui Envezor) in München, Berlin, Chicago, New York 2001 und in der Neuen Galerie Graz teil. 1995 wurde die Susanne Wenger Stiftung, die in Österreich und in Nigeria tätig ist, gegründet. 2001 wurde das Susanne Wenger Archiv auf der Kunstmeile Krems eingerichtet. Die Kunsthalle Krems zeigte ebenso wie das Künstlerhaus Graz 2004 große monographische Ausstellungen zum neunzigsten Geburtstag der großen Künstlerin.

Nobleprizewinner Wole Soyinka, Susanne Wenger and Ulli Beier in Krems 1995
Die große Wertschätzung, die Österreich Susanne Wenger vor allen in den vergangenen zwanzig Jahren entgegengebrachte, kann auch an den zahlreichen Ehrungen und Auszeichnungen abgelesen werden: das große Goldene Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich, der niederösterreichische Orden für Wissenschaft und Kunst und der höchste Orden des Landes Steiermark wurden ihr verliehen. Zu Wengers 90. Geburtstag im Jahr 2005 fanden große Feierlichkeiten im Königspalast von Oshogbo statt. Hier mischten sich Vertreter des uralten Priesterkasten der Yoruba mit internationalen Gästen. Zahlreiche TV-Stationen, darunter auch der ORF, zeichneten das Ereignis auf.
Susanne Wengers Lebens-Philosophie "der Einbezogenheit“ manifestierte sich am eindrücklichsten in ihrem großes Hauptwerk, dem gigantische Architektur-Natur-Skulptur-Gesamtkunstwerk in den Sacred Groves of Oshogbo.
Susanne Wengers Motto lautete: „Unsere Projekte sind vielleicht ... winzige Blätter am Baum des Lebens – dem Logos geweiht –, der das sakrale Zentrum des Universums und die Quelle allen Lebens ist.“
Prof. Wolfgang Denk
1947 geboren in Seitenstetten, Niederösterreich. Seit 1969 freischaffender Künstler. 1968 – 2008 zahlreiche Ausstellungen und Preise u.a. Theodor Körner Preis, Anton Faistauer Preis und Förderungspreis des Landes Niederösterreich – ab 1984 Arbeit mit Susanne Wenger - 1990 bis 1997 Gründungsdirektor und künstlerischer Leiter der Kunsthalle Krems - 1999 Verleihung des Titels Professor durch den Bundespräsidenten. 1998–2000 Mitglied des Bundesbeirates für bildende Kunst im Bundeskanzleramt. 2001 Gründung des Susanne Wenger Archivs. 2005 Gründungsdirektor des Hermann Nitsch Museums in Mistelbach.
Literatur
Gert Chesi / Susanne Wenger: A Life with the Gods, 1984.
Wolfgang Denk: Susanne Wenger, Ausstellungskatalog, Wien, 1985.
Susanne Wenger: The Sacred Groves of Oshogbo, 1990.
Lusia Francia / Ulli Beier: Susanne Wenger, Kunstforum Bd.122, 1993.
Rolf Brockmann/Gerd Hötter: Adunni, A portrait of Susanne Wenger, 1994.
Wolfgang Denk: Buch zur Ausstellung in der Kunsthalle Krems, 1995.
Günter Eisenhut: Moderne in dunkler Zeit, 2001.
Okwui Envezor / Ulli Beier: The short century, 2001.
Wolfgang Denk: Mythos Art Club, Kunsthalle Krems, 2003.
Adunni Olorisha Trust: Susanne Wenger, her house and her art collection, 2006.
Video
Wolfgang Lesowsky: Susanne Wenger, her art and life, 90min, 2001.
(available from the Adunni Olorisha Trust in Lagos or in Europe from gusti@sky.com)
Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte :
Susanne Wenger Archiv
Steiner Landstraße 3
3500 Krems
susanne.wenger@foundation.or.at
INFO Tel: +43 (0) 2732/90 80 10-256
Prof. Wolfgang Denk
Susanne Wenger Stiftung
Mobile: +43 (0) 664 234 10 78
denk.wolfgang@aon.at
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